Das Herz und die Seele des LVWB

Zum Gedenken an Alois «Wisel» Stadler, 1941-2022
Nein, das Gesicht des LV Wettingen-Baden war dieser kleine, freundliche Mann eigentlich nie. Dafür war er viel zu bescheiden und einer, der den grössten Teil seiner immensen Arbeit für den Verein im Hintergrund leistete. Dass er dennoch viel im Gespräch und in der Presse war, ist untrennbar mit seiner wahren Bedeutung verbunden: Alois «Wisel» Stadler war das Herz und die Seele des LVWB und der Motor hinter dem grossen sportlichen Verfolg eines noch jungen Vereins, der nächstes Jahr erst seinen 50. feiert.
 
Der Jugileiter des SV Lägern fand anfangs der 1970er-Jahre in Wettingen Gleichgesinnte und bald darauf – damals ohne Zweifel ein Lokalpolitikum – sogar im STV Baden: 1973 wurde die Leichtathletik-Vereinigung Wettingen-Baden aus der Taufe gehoben, die sich in der Folge in atemberaubendem Tempo entwickelte und zwar in der Breite wie an der Spitze. 
 
Der Wettinger Langhürdler Franz Meier, Olympia-Siebter 1980, zweiter Schweizer unter 50 Sekunden und fast 20 Jahre Rekordmann, die Zürcher Weltklasse-Siebenkämpferin Corinne Schneider mit ihren zwei Olympiastarts und Schweizerrekorden sowie die erfolgreichen SMV-Teams der Herren und Frauen waren die grossen Aushängeschilder und die Vorbilder für viele andere, die international und national danach bis heute zu grossen Ehren kamen und kommen. All das wäre ohne «Wisel» Stadler kaum denkbar gewesen. Die "LV" wurde zu einem eigentlichen Erfolgsmodell, auf das man in der Schweiz mit Neid blickte. Der nationale Verband sah sich angesichts des explosiven Wachstums gar genötigt, mässigend einzugreifen, aber das blieb eine Episode. Die Anerkennung war allgegenwärtig.
 
Der sportliche Erfolg war indes nicht das einzige was diesen Pionier umtrieb. Er verstand es in unnachahmlicher Art, Leute für alle möglichen Rolle einzubinden: die Kampfrichterin war ihm so wichtig wie der Mann beim Kuchenverkauf oder die Liste der Jugendlichen für den ach so wichtigen samstäglichen Wurststand in der Badener City. Der Mann war stundenlang am Telefon, am Schreiben, Konzipieren, Planen. Unermüdlich und gewiss nicht immer zur Freude seiner grosszügigen Ehefrau und seinen Kindern. «Wisel» war bis zum Schluss seiner Tätigkeit analog unterwegs – auch mit den «Millennials», also Leuten, die 50 Jahre nach seinen ersten Zöglingen geboren waren. Wichtiger als die Form war richtigerweise der Inhalt, die Vermittlung und, vor allem, das feine Gespür für mehrere Generationen von Sportlerinnen und Athleten.
 
2013, exakt 40 Jahre nach der Gründung des LVWB, wurde er an der Aargauer Sportgala von der Vereinigung Aargauer Sportjournalisten für seine besondere Verdienste im Spitzensport geehrt. Ein verdienter «Lifetime Award» für einen, der auch in der Folge mit weit über 70 Jahren noch auf dem Platz anzutreffen war. Und dem man vor fünf Jahren, im Frühling 2017, noch einmal ansah, was ihn wirklich bewegte, als ein jugendliches Frauenteam überraschend in die die zweithöchste SVM-Liga zurückkehrte: ein Samstag mit dem ganzen Verein, Spitze und Breite, bei schönstem Wetter und einer geselligen Feier zum Abschluss eines gelungenen Tages.
 
DANKE FÜR ALLES!
 
 
19.05.2022 - 20.05.2022 | von: Marius | Autor: mas
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